< 38. Leverkusener Radrallye
09.11.2011 11:31 Alter: 191 days
Kategorie: Campana-Team Berichte

Zillertaler Bike Challenge 2011


Mein erstes mehrtägiges Rennen und dann gleich die ZBC. Ob das eine gute Entscheidung war? Freitag, 8:55 Uhr kommen mir letzte leise Zweifel, dann fällt der Startschuss. Die ersten 20 Minuten fühlen sich die Beine an wie Bleisäcke und die Herzfrequenz ist viel zu hoch. Der Untergrund wechselt von Asphalt zu Schotter, die Anspannung ist weg, der Blick löst sich vom Pulszähler, die Schwere in den Oberschenkeln ist verflogen. Es läuft rund!

Die Talfahrt nach Kaltenbach bleibt mir in schlechter Erinnerung: die entgegenkommenden PKW sind richtig flott. Manchmal bleibt kaum Platz zwischen Seitenspiegel und Straßengraben. Beim nächsten Anstieg entdecke ich einen in schwarz und orange gekleideten Radler 300 m vor mir. Zwischen Tannenalm und letztem Gipfel wird sein Vorsprung kontinuierlich kleiner. Jetzt kommen die „liquid filled carbo gums“ zum Einsatz. In der letzten Kehre vor der Kapaunsalm gönne ich mir den Blick nach hinten. Mein Weggefährte kämpft mit sich und der Steigung. Ich ziehe den Reißverschluss hoch und rolle zu Tal.

Die zweite Etappe soll ganz anders werden. Ich habe RCÜKEN. Alle 500 Höhenmeter schiebe ich ein paar Minuten. Irgendwann ist Norbert bei mir und gibt Nachhilfe in Geschichte: der Schwerpunkt liegt auf Hannibal und der Alpenüberquerung mit den Elefanten. Das lenkt ab, für eine Weile jedenfalls.
Am Übergangsjoch bläst ein scharfer kalter Wind auf das nasse Trikot. Schnell Regenjacke und Kopftuch anziehen und weiter gehts. Matschalarm!!! Mit dem seifigen Boden komme ich technisch zwar klar aber nach wenigen Augenblicken ist alles nass. Am Ißkogel treffe ich auf zwei Campana Groupies: Jola und den Gerhold Dirk. Beide werden an diesem Tag noch eine wichtige Rolle spielen, nämlich unten in Gerlos. Nach der Talfahrt bin ich steif gefroren. Jola und Dirk retten mich mit warmen, trockenen Klamotten und helfen mir bei der Nahrungsaufnahme. Ohne die grünschwarzen Engel wäre die ZBC mit Sicherheit ganz anders verlaufen. In Gmünd kehrten die Lebens  geister zurück. Sogar soweit, dass ich zwischen Zell am Ziller und Mayerhofen noch jeweils ein Königs- und Prinzenpärchen überholt habe.

Das wird gegenüber der zweiten ein Klacks. Wenn es am Schluss steil wird, schieben ohnehin alle. Am Vorabend der dritten Etappe versuchen die erfahrenen ZBC-Fahrer Norbert und mich mit dieser Vorstellung zu beruhigen. Bis zu Christas Skialm fahre ich Holländern hinterher. Auf der Abfahrt nach Vorderlanersbach brausen sie davon. Der höheren Beschleunigungsmasse habe ich einfach nichts entgegen zu setzen. An der Talstation Hintertux beginnt ein neuer Krimi. Mette aus Dänemark fährt an mir vorbei. Nun bin ich wieder letzte Queen im Feld. Das muss ich ändern. In Sommerberg beträgt der Abstand auf meine Vorderfrau nur noch wenige Meter. Auf den letzten 300 Höhenmetern habe ich die Nase vorn. Vom Tuxer Ferner Haus höre ich Pfiffe und sehe winkende Arme. Bei der Zieldurchfahrt sind alle Strapazen vergessen. Selbst die kalte Dusche kann daran nichtsändern.