
Ok, mit knapp 4000Euro kann man vieles machen, z.B. einen All-Inklusive-Urlaub in der Karibik, 3 Wochen in einer Villa auf Helgoland, oder ein neues Bike….
Susanne, Hedi, Dirk und ich haben uns für All-Inklusive entschieden, aber eben im Zelt und auf dem Bike in der Mongolei.
Zugegeben, ich hab ein wenig gezittert, als ich die Anmeldung in Internet Ende 2010 abgeschickt habe, aber der Wunsch nach Abenteuer und mit Freunden als Absicherung im Gepäck hat mich sicher gemacht, alles in die Tat umzusetzen.
Die Vorbereitungsphase war dann schon sehr spannend, da es in der Mongolei keinen westlichen Standard gibt und das Rennen wirklich abseits der Zivilisation laufen sollte….ok, das war auch so. Die erste Schwierigkeit war die Logistik: Mensch, Bike, Futter, Klamotten….in Summe mal gut und gern auf 40kg zusammengedampft, Handgepäck extra! Da wir keine 800-1000€ für Bike und Übergepäck "berappen" wollten, kam nur die mongolische Airline ab Berlin in Frage. Mit Rail & Fly kein Thema.
Wir standen dann am 27.07. am Bahnsteig, Tickets in der Hand und der Schaffner sagt trotz Beförderungsrichtlinie „NEIN“…uff. Diskussion, Panik, Diskussion….puh, es geht doch.
Die ersten Tage sind wir in Ulan Bator, der Hauptstadt. Im Hotel treffen nach und nach alle anderen Teilnehmer und das Orgateam ein, einer sogar mit dem Bike von Irkutsk. Einige Bikes sind beim Umstieg in Moskau hängen geblieben, sodass die Teilnehmer bei der Opening Ceremony zu Fuß gehen mussten. Trotzdem war es eine tolle Kulisse auf dem zentralen Platz in UB mit Fahnenträgerinnen und Brimborium die MBC zu eröffnen.
Keine 24h später stehen wir 600km südlich mitten in unserem Lager in der Wüste / Steppe, wohlgemerkt, wir sind zu Fuß aus dem Flugzeug die knapp 500m hierhin gelaufen. Es ist gut warm und staubig, erst recht, wenn Windböen den Sand aufwirbeln. Wir sammeln erste Eindrücke vom Lagerleben und den Spezialitäten der sanitären Einrichtungen z.B. Aber es gibt genug und gutes Essen.

Das Rennen:
Nach einem viiiiel zu schnellen Start, hab ich dann doch schnell in mein von mir geplantes Renntempo gefunden. Die Hitze ist zwar hart, aber ich komm gut klar damit. Die ersten Etappen sind von Hitze, Wind, Sand, Washboards, seichten Anstiegen und weitem Gelände geprägt. Man sieht Berge rechts, links und vorn: 20/40/100km Entfernung bis dort! Eben ein weites Land! Mal gibt es ein wenig Vegetation, meist aber nur Schotter und Sand im Wechsel. Zum Desert Gobi Ger Camp geht es Dirk schlecht, er verträgt die Hitze gar nicht, kippt fast vom Bike. Im Jurten (Ger) Camp lehne ich mein Bike an die Wand, das Thermometer zeigt 48°C …, im Schatten. Auf dem Weg dorthin haben wir einige fix und alle im Sand sitzen sehen, alles Fälle für den Besenwagen. Der Weg in die Berge startet mit nem Sandsturm (Willy sagte nur Wind dazu). Bei einer Etappe war es so, als würde man die 130 km vor ner Landschaftstapete biken. Die erste Bergkette wird genommen, wir sehen hohe Gräser, aber immer noch keine Bäume. Letzteres sollte die ersten 7 Rennetappen auch so bleiben. Es geht in rasanter Fahrt durch die Schluchten, die Tachonadel schlägt bis 65 aus. Es geht wieder in eine Ebene, die letzten Kilometer abrollen, es sind 30-40, wobei wir auf den letzten 5 km den in unserer Gruppe mitfahrenden Spanier geschlachtet haben. An diesem Tag liegt unser Camp im hügeligen Gelände, wir haben eine tolle Fernsicht und es wird gegen Sonnenuntergang einfach toll, die untergehende Sonne taucht alles in warme Farben, weit entfernt leuchten in der untergehenden Sonne 2 weiße Jurten. Keine Lampe (außer den in unserem Lager), kein Auto, kein Handyempfang - einfach weites Land und im Dunkeln das 1000-fache an Sternen, wie bei uns. Ich bin total beeindruckt.
Auch wenn der technische Anspruch der Strecken bis auf ein paar wenige sehr schnelle Schotterabfahrten ganz einfach war, übt diese Landschaft einen tollen Reiz aus.
Die nächsten Etappen führen uns weiter in die Berge, nachts wird es kalt, bis zu -5°C, wir biken über Feldwege durch Almlandschaften, Yaks, Schafe, Hammel, Ziegen, Kamele - und Mongolen säumen vereinzelt den Weg, Kinder winken und versuchen uns Käse zu reichen. Ich fühle mich ein wenig wie ein Außerirdischer. Einmal campieren wir auf 2.350 m Höhe auf einer Almwiese mit ca. 1 Million Edelweiß, wow! Von hier starten wir nach frostiger Nacht, um gleich nach dem ersten Pass mit Bachdurchquerungen alle Überlegungen bzgl. der richtigen Klamotten ad absurdum zu stellen.
Der übliche Tagesablauf mit Wecken um 5:30, Frühstück um 6, Tasche zum Gepäckwagen um 7 und Start um 8 wird nur vom Ruhetag unterbrochen. An einem Flussbogen liegend, können wir die Beine ausstrecken, Waschen, zu Fuß die Gegend erkunden und unseren mongolischen Betreuern bei der „Verarbeitung“ eines Hammels von lebendig bis Suppe bzw. Grillen auf glühenden Fladen zusehen.
Die letzten Etappen führen uns immer weiter in Richtung Karakorum. Wir sehen nun auch Bäume und immer häufiger Jurten, Tiere und mongolische Hirten, einige wenige Male sogar kleine Ortschaften, bestehend aus Bretterbuden, halbfertigen Häusern und vielen Jurten. Wie das wohl im Winter bei -30°C funktioniert? Verwitterte Tierskeletts sprechen ihre eigene Sprache. Wir durchqueren unzählige Flüsse, manche rollend und manche im hüfttiefen Wasser. Die letzte Etappe über 104 km rollen wir in gut 4:20h ab, wohlgemerkt 3 km Asphalt, der Rest „Feldwege“.
Im Ziel liegen wir uns glücklich in den Armen und mich überkommt eine tiefe Befriedigung, es geschafft zu haben, aber gleichzeitig auch eine große Traurigkeit, dass es vorbei ist.
Es geht per Adventure Bustransfer mit abenteuerlichem Fahrstil, 2 letzten Nächten in Ulan Bator, nem spannenden Check-in unseres Bikegepäcks sowohl in UB als auch auf dem Bahnhof in Berlin zurück in die Heimat
Was bleibt? Die Erinnerung und die Eindrücke an dieses unendlich weite Land, die Stille und Abgeschiedenheit und die bedingt hierdurch diese Erfahrung der Reise ins eigene ICH. Es bleiben aber auch Erinnerungen an besondere „Typen“, die ich kennen gelernt habe: Willy Mulonia (Orga), Valter Spazanatzi, Leonardo Ambrosi, Ross McKegney, Uwe Eibel, Melinda Jackson, Christoph Keidel, Michael Gauer, wobei die letzten Beiden mit Dirk und mir bei Rad am Rind ein kleines MBC Revival hatten….tolle Typen. Danke, dass ich Euch kennen gelernt habe.

