



Die organisierte Etappentour über die bekanntesten Passstraßen der französischen Alpen war für meinen Begleiter Beda Dreber und für mich ein ganz besonderes Erlebnis.
Dieser Teil der Alpen war mir bisher unbekannt und hat mich in mehrfacher Hinsicht beeindruckt. Die atemberaubenden Ausblicke in die majestätisch, schroff aufragenden Berggipfel und in die endlos tiefen, zerklüfteten Schluchten machen es schwer bei den Abfahrten die Straße im Auge zu behalten. Die Pässe haben zudem teils abenteuerliche Straßenführung, und in der grandiosen Bergwelt faszinieren Aufstieg und Abfahrt gleichermaßen. Neben dem meist aufregenden Straßenverlauf überraschen oft langgezogene Bodenwellen, die keine allzu hohen Geschwindigkeiten zulassen. Die Straßen sind aber, trotz der häufig welligen Beschaffenheit der Fahrbahndecke, in recht gutem Zustand.
Ansonsten hat bei der Tour alles gepasst. Der Monat August war der richtige Zeitpunkt, das Wetter war meist gut. Die ca. 80 Teilnehmer kamen aus allen Teilen der Welt, USA, Neuseeland, Belgien, Holland, England, Schottland, Deutschland, Frankreich usw. und waren ohne Ausnahme angenehme Zeitgenossen. Der französische Veranstalter www.alpesopentour.com war ebenfalls eine gute Wahl:
Gute Unterkünfte, sehr gute Streckenkennzeichnung, zwei Verpflegungsstellen mit guter Verpflegung und Begleitfahrzeug auf jeder Etappe, oft gemeinsames Frühstück, Buffet im Ziel und fast immer gemeinsames Abendessen, Rücktransport zum Startort nach der letzten Etappe. Und als besonderes Highlight haben uns fünf französische Radprofis, von denen 3 an der diesjährigen Tour de France teilgenommen haben, über die gesamten 5 Etappen begleitet. Schade nur, dass ich kein Wort Französisch verstehe!
Die Tour führte am 1. Tag von Neydens nahe Genf zuerst auf den Genfer Hausberg Mont Saleve. Und das war auch schon die erste Überraschung: Diesen ca. 5 km langen Anstieg bin ich fast ausschließlich 39/29 gefahren. Eine Übersetzung die ich eigentlich nicht mitnehmen wollte. Im Verlauf der Tour habe ich diese Übersetzung allerdings noch häufiger gebraucht. Nach der Abfahrt vom Mont Saleve (1350 m) ging es leicht auf und ab durch herrliche Gegend zum Col des Aravis auf 1485 m und zuletzt zum Wintersportort Col des Saisies auf 1655 m, wo wir übernachtet haben. Der Blick auf den nahen Mont Blanc blieb uns aufgrund des wolkenverhangenen Himmels verwehrt. (115 km)
Am 2. Tag folgte eine Abfahrt im strömenden Regen zum Start in Beaufort. Wenig später zum Start hörte der Regen auf und der Ritt über den Cormet de Roselend (1970 m) und den Col de l’Iseran (2760 m) blieb weitgehend trocken. Die Straßen waren wie am Vortag allerdings nass und in den tiefer gelegenen Wäldern dunkel und extrem glatt. Das schien die Profis, von denen immer 2 oder 3 das Tempo für die Spitzengruppe machten, nicht sonderlich zu stören. Sie kannten das Terrain sicher auch recht gut. Es war wirklich nicht leicht bergab dran zu bleiben. Bergauf war es sowieso eine echte Herausforderung. Denn obwohl die Profis ein gleichmäßiges Tempo fuhren, und rücksichtsvoll agierten, zerfiel die Gruppe von anfangs ca. 20 Mann langsam aber sicher bis zuletzt nur noch wenige dabei waren. Der Ablauf wiederholte sich bei jeder Etappe in ähnlicher Weise, der kurze Halt an den Verpflegungsstellen bot dann oft eine Möglichkeit wieder Anschluss zu finden. Die 2. Etappe endete nach 119 km in Val Cenis auf 1390 m.
Der 3. Tag führte bei schönstem Wetter und entsprechender Hitze über den Col du Telegraphe (1565 m) und den Col du Galibier (2635 m). Der letzte Anstieg ging hinauf nach L’Alpe d’Huez (1800 m) und kostete mich die letzten Kräfte. Zwei weitere Engländer zogen an mir vorbei, obwohl schon 3 vor mir waren! So steil hatte ich diesen Anstieg nicht erwartet. Diese Etappe entsprach übrigens fast genau der diesjährigen Königsetappe der Tour de France. (134 km)
Von L’Alpe d’Huez ging es am 4.Tag nach rasanter Abfahrt (die Engländer riskierten Kopf und Kragen) durch ein langes Tal, dann zum Anstieg des Col de la Croix de Fer (2065 m) und danach zum Ziel im Wintersportort La Toussuire auf 1700 m. Diesmal lief es besser für mich und die Engländer hatten keine Chance. (113 km)
Der 5. und letzte Tag führte von La Toussuire über den Col du Molard (1630 m) und den Croix de Fer wieder hinauf nach La Toussuire wo wir ein 2.mal übernachteten. Abends aßen wir wieder im Festzelt im Ort. Es war ein Buffet vorbereitet und auf einem heißen Stein wurde gegrillt. Die Stimmung war hervorragend, der Wein wie so oft gratis. (100 km)
Am nächsten Tag wurden wir mit dem Bus mit Radanhänger zurück nach Genf gebracht. Es war ein schönes Gefühl gemütlich im Bus zu sitzen und die Oberschenkel auszuruhen. Nur das Ein- und Aussteigen machte etwas Mühe. Zum Schluss möchte ich noch erwähnen, dass mich mein Gefährte Beda mit nur 2300 km Vorbereitung tief beeindruckt hat. Unter diesen Voraussetzungen muss man schon ein wirklich zäher Knochen sein, um diese Strapazen durchzuhalten.
Viele Grüße,
Hans Walter, Campana-Team
