
Es begann mit einer Art Wette: Ein Freund von uns, sonst eher "just for fun" unterwegs auf kürzeren Strecken, überlegte, an einem Ironman teilzunehmen, und zwar wenn in Nizza. Klaus war dort schon 1991 an den Start gegangen, u.a. mit Triathlon-Legende Marc Allen, und zwar über die klassische Langdistanz 4-130-30. Ein Start über die original Ironman-Distanz fehlte ihm noch. So sagte er zu unserem Freund: "Wenn du da startest, starte ich auch!" Kurz vor Jahresende 2009 bekamen wir dann die Info, er sei angemeldet. Da für mich stand die ganze Zeit feststand, dass ich dann nach 2007 zum zweiten Mal in Nizza starten würde, meldete ich uns beide an.
Ab sofort spukte in unseren Köpfen der 27.6.2010 herum und besonders vor dem Marathon hatten wir Respekt. Klaus, da er eh kein so umfangreiches Lauftraining absolvieren kann und ich, da ich in dem Winter leider Verletzungsprobleme hatte. Das Radtraining aber lief gut und wir fuhren unter anderem lange Runden bis ins Sauerland zur Nordhelle. Und auch die Laufumfänge wurden im späten Frühjahr größer. Auf die Radstrecke freute ich mich besonders – für mich ist sie die schönste IM-Radstrecke, die ich kenne. Eine große Radrunde bis in die Seealpen, von 0 auf über 1100 m Höhe, mit weit über 2000 Höhenmetern und teils grandiosem Panorama, sowie einer langen Abfahrt zum Schluss zurück zur Wechselzone, direkt an der Promenade von Nizza gelegen. Auf dem Foto seht ihr mich übrigens auf meinem Ceepo-Triathlonrad, kurz vor Ende der Radstrecke, im Hintergrund das berühmte Hotel Negresco.

Eine Woche vor dem Wettkampf fuhren wir dann an die Côte d'Azur nach Cagnes-sur-Mer, einem Nachbarort von Nizza. Dort hatten wir mit unseren Freunden eine schöne Wohnung gemietet, nur 200 m vom Strand entfernt. Schließlich wollten wir uns auch an das Schwimmen im Meer und vor allem an das Salzwasser gewöhnen. Die Tage bis zum Wettkampf verliefen ziemlich urlaubsmäßig, aber wir fuhren auch die Radstrecke mit dem Auto ab und waren zur Triathlonmesse in Nizza. Die Promenade verwandelte sich schon allmählich in eine Wechselzone.
Am Samstag wurde es dann ernst: Beutel packen, Räder abgeben, bloß nichts vergessen! Essen, möglichst früh schlafen ... und dann am Sonntag 3.00 Uhr aufstehen. Wir fuhren mit dem Auto nach Nizza rein, hatten Glück bei der Parkplatzsuche und kamen sehr zeitig und noch vor Sonnenaufgang an der Wechselzone an. Neben uns stand einer, dessen Rad noch nicht eingecheckt war - er baute dieses gerade aus seinem Radkoffer raus zusammen - Mann, hat der Nerven, dachte ich. Gingen 2007 noch etwas über 1200 Athleten an den Start, waren es 2010 weit über 2500 und die Wechselzone war entsprechend noch länger geworden. Vor allem auf dem Weg zum Schwimmstart war die Masse an Neopren-bekleideten Menschen gigantisch. Klaus fiel ziemlich aus der Reihe mit seinem azurblau/weißen Neo.
Und dann war es irgendwann soweit: Der Startschuss! Auf ins Mittelmeer. Klaus hatte sich ganz gut platzieren können, aber ich brauchte ewig bis ich überhaupt im Wasser drin war. Klaus schwamm die 3.8 km in 1:06,27, ich brauchte 1:25,26 Stunden. Nach etwas über 6 Stunden Radsplit ging es bei toller Stimmung, aber auch hochsommerlicher Temperatur auf die Marathonstrecke an der Promenade des Anglais. Es waren 4 Runden mit Wendepunkt zu laufen, so dass wir uns jeweils 2x begegneten. Ich habe mich jedes Mal gefreut Klaus noch laufen und nicht gehen zu sehen. Ich kam ihm zwar langsam näher, aber einholen konnte ich ihn nicht. Klaus finishte mit einer Gesamtzeit von 11:26,30 Stunden (570. Gesamtplatz) und wurde in seiner Altersklasse M50 28ter. Ich finishte mit in 11:32,54 Stunden, (643. Gesamtplatz; 33. Frau) und wurde in meiner Altersklasse AKF45 4te. Das waren nur 2 Minuten mehr als 2007 und damit war ich bei der holprigen Vorbereitung äußerst zufrieden. Vor allem auf dem Rad lief es gut, da war ich sogar 8 Minuten schneller als bei meinem ersten Start (liegt bestimmt an meinem schönen Ceepo :-)) Für Hawaii gab es nur einen Slot und den nahm gleich die AK-Erste.
Unser Fazit: Die Wochen gemeinsamer Vorbereitung haben sich gelohnt und uns beiden einen unvergesslichen Wettkampf erleben lassen.
