
Team No Limits beim härtesten Radrennen der Welt
Juni 2002 von Portland, Oregon nach Pensacola, Florida über 2.991 Meilen
Es ist Anfang 2002, ich verweile als Operationsmanager der deutschen Volvo Ocean Race Equipe beim Stopover in Miami und mein Handy klingelt. Am Telefon ist Joey Kelly, mein langjähriger Trainingspartner und Freund aus alten Triathlonjahren. Er ist voller Euphorie und sprudelt nur so aus sich heraus. Er plane ein 4er-Rennrad- Team zusammenzustellen, um im Juni am härtesten Radrennen der Welt teilzunehmen, dem "Race Across America". Es fehle nur noch eine Person und da hätte er an mich gedacht. Wow, habe ich mir gedacht, diese Chance bekommst du vielleicht nur einmal im Leben und habe nach Rücksprache mit der Familie direkt zugesagt.
Die Vorbereitungszeit war mit 4 Monaten nicht gerade optimal, aber die körperlichen Grundlagen sollten doch irgendwie wieder abzurufen sein. Von nun an Stand langes, ruhiges Radfahren – wann immer möglich – auf dem Tagesprogramm. Es sollten fast 3000 Meilen und jeden Menge Höhenmeter auf uns zu kommen. Der Start erfolgte in Oregon, Portland und wir (Tanja Niethen, Joey Kelly, Uli Weber und ich) hofften in gut 7 Tagen quer durch die USA nach Pensacola, Florida zu radeln. Joey stellte die komplette Betreuer-Crew zusammen und fand mit der Deutschen Post auch einen starken Partner, der die Kosten von so einem Event abdecken konnte. Unser Plan war es, stündlich zu wechseln, um ein möglichst hohes Tempo fahren zu können. Das Reglement schrieb vor, dass immer ein Radfahrer auf der Strecke sein musste und einem Wechsel der Fahrer nach eigenen Wünschen und Vorlieben der Teams vorgenommen werden konnte.

Auf der langen, teils sehr einsamen und oft bergigen Strecke durchquerten wir folgende Bundesstaaten Oregon, Idaho, Wyoming, Utah, Colorado, Kansas, Oklahoma, Arkansas und zu guter letzt Florida am Golf von Mexiko. Ich erlebte eine tolle Landschaft und gerade in der Nacht (bei wenig Licht) war ich nie näher an der Umwelt als in diesen Tagen. Das Erlebnis war überwältigend, die sportliche Herausforderung und der Kampf mit mir selbst nach dem Sprichwort: „der Weg ist das Ziel“ untermalt die Rechtfertigung solche Strapazen auf sich zu nehmen.
Neben der Einsamkeit und einer aufkommenden Monotonie, sowie immer stärker werdenden muskulären Beanspruchung der Stütz- und Haltemuskulatur machte sich der Schlafdefizit negativ bemerkbar. Ans Aufhören habe ich nie gedacht, das setzen kleiner Tagesziele und Strecken verhalfen mir einmal mehr zur erfolgreichen Erfüllung meiner Vorgaben. Der Sieg im 4er Mixed-Team war nur ein Bonbon, dem eigenen Druck Stand zu halten, war der größte Erfolg bei diesem langen Rennen. Am Ende brauchten wir 7 Tage 6 Stunden und 44 Minuten um das RAAM 2002 zu finishen.
Ein großer Dank galt dem super Betreuer-Team welches uns immer wieder aufbaute und durch ihren tollen Einsatz das „Team No Limits“ zu einem tollen Sieg verholfen hat.
